Am Anfang war der Strich – linientreu in Offenbach

Wie Ihr mitbekommen habt, bin ich ja noch kein so richtig erfahrener Blogger – und so werkele ich seit zwei Wochen an einem Text rum, bei dem sich viele Fragen für mich auftun. Denn, für wen schreibe ich und, was ist meine Intention? Ich bin ja kein Veranstaltungsticker – zumal die Ausstellung „Linientreu“ bereits vorbei ist. Daher ist es auch sinnlos, einen Bericht zu formulieren, der andere animieren soll, diese oder jene Ausstellung zu besichtigen. Viel mehr möchte ich – dass steht  fest – von Dingen erzählen, die mich begeistert oder bewegt haben.

Die, wie bereits erwähnt schon abgebaute Ausstellung „Linientreu“ hat mich aus zwei Gründen sehr bewegt. Zum einen künstlerisch, denn die Schau hat einen sehr vielseitigen und spannenden Umgang mit Zeichnung und Grafik ausgebreitet. An diesem Genre fehlen für so manchen Kunstfreund die Farbe, Bildtiefe und Opulenz. Für viele aber ist die Zeichnung die Urform der Malerei. Direkt auf den Malgrund gebracht, ist die Zeichnung der erste Schritt, ein Kunstwerk, das zunächst nur aus einer Idee besteht, real zu manifestieren.

In der Offenbacher Zollamt Galerie stellten bei der Eröffnung am 30. März 2017  elf Künstler, die das Studium der Gestaltung an der HfG Offenbach verbindet, Ihre Perspektiven vor.

Franz Dittrich, Eugen El, Bea Emsbach, Patrick Haller, Norman Hildebrandt, Miriam Hilker, Lisa Marei Klein, Roman Köller, Edwin Schäfer, Achim Schauffele und Zeljko Vidovic haben mit Ihren Arbeiten für eine sehr inspirierende Dissonanz hinsichtlich Ihrer Werke gesorgt.

Ein bisschen hatte die Ausstellung etwas von einem Klassentreffen. Es ist immer wieder wunderbar, all die vertrauten Gesichter wieder zu treffen, gemeinsam zu lachen und Geschichten zu erzählen.

06.07.2008 – HfG Offenbach: Ferdimax, Norman Hildebrandt, Daniel Wind, Lisa Marei Klein
http://www.nadine-roether.com/
Nadine Röther: Burnin´ down the Has´, 2007.
Verbrennung von Portalhase am 06.02.2007

Da sind unter den Gästen Menschen wie die großartige Nadine Röther, die ich noch aus ihrer Sturm und Drang Zeit kenne, als sie, die große Rebellin, einst einen spektakulären Hasen aus Dachlatten mit großem Aufschlag vor Publikum in Brand steckte.

Eugen El mit Ilja Granatstein

Aber da ist auch auf der Seite der ausstellenden Künstler der stille und dabei so tiefgängig in sich hineinlächelnde Eugen El, dessen Werk man nie ganz verstehen wird, aber dessen Konsequenz herausragend ist. Wer sonst malt ausschließlich den immer gleichen Kopf eines jungen Mannes im Dreiviertelprofil, dessen Lebendigkeit und Vielseitigkeit erst in der Betrachtung der Werkreihe entsteht.

Faszinierend ist die Spannung zwischen Person und Werk von Zeljko Vidovic. Zeljko wirkt auf den ersten Blick wie ein Bürohengst vom Finanzamt und wenn man dann seine provokanten, teils verstörenden Werke sieht, Werke in denen sich Kinderköpfe zu einem gespenstigen Berg feist grinsender Schädel auftürmen, in denen es um das Ausscheiden oder einführen von Exkrementen in Körperöffnungen geht und die ein wenig den Anschein eines perfiden Horrorkabinetts machen, dann begreift man, dass nichts so ist, wie es scheint und der eigene Blick nicht in den Menschen hineinschaut.

Zeljko Vidovic
http://www.zeljkovidovic.com/
Zeljko Vidovic,
http://www.zeljkovidovic.com/

Patrick Haller, den ich bislang nie so richtig verfolgt hatte, überzeugte durch den totalen Erguss der Linie – drei hochnarrative Arbeiten aus Linien, die eine Bildwelt von überwältigender Kraft und Mehrdimensionalität erschaffen. Ein wenig märchenhaft stürmen die Protagonisten, Mischwesen aus Mensch, Insekt und Tier, über die Bildfläche und verflechten sich durch die Linienführung immer weiter zu einem schlüssigen Ganzen. Patrick Hallers Arbeiten sind ganz großes Kino.

Patrick Haller im Interview
Patrick Haller

Bei aller Unterschiedlichkeit gibt es aber eine große Klammer in dieser Ausstellung. Diesen Verdienst möchte ich der Hängung und Auswahl meines Freundes Dr. Norman Hildebrandt zuschreiben, der diese Ausstellung organisiert hat.

Norman Hildebrandt
Dr. Norman Hildebrandt

Norman ist ein besonderer Mensch und ein guter Freund ohne den ich nie den Kontakt zur Hochschule für Gestaltung, HfG Offenbach, so intensiv hätte herstellen können. Er war es, der mich immer wieder eingeladen hat dabei zu sein, mitzuwirken und mit zu feiern als wir alle noch Anfang zwanzig waren und die Welt irgendwie ein Stück weit sorgenfrei war. Norman hat uns allen gezeigt, wie wichtig es ist, sich diese Jugendlichkeit zu bewahren, dem Erwachsenwerden nicht überall die Straße zu ebnen, sondern die Fenster der Meinungsfreiheit aufzusperren um Konventionen durch eben dieses Fenster zu betrachten, aber Ihnen nicht unbedingten Gehorsam zu leisten.

Vielleicht ist das auch der Aufruf dieser Ausstellung und ihr wichtiges Fazit: Bleibt unbeugsam, bleibt wach, kreativ, vielschichtig und hegt das Kind in Euch. Nur mit dem forschen und wachen Blick eines jungen Menschen gelingt es in die Seele zu schauen und Verborgenes zu entdecken.

Bea Emsbach
Roman Köller
http://romankoeller.com/
Achim Schauffele
http://www.achimschauffele.com/
Edwin Schäfer:
https://edwinschaefer.tumblr.com/

 

http://www.hfg-offenbach.de/de/pages/zollamt-galerie#ueber

http://www.hfg-offenbach.de/de/calendar/new-calendar-item-674#veranstaltung

https://www.op-online.de/offenbach/zollamt-galerie-offenbach-zeigen-junge-kuenstler-ihre-arbeiten-8058094.html

https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/linientreu-in-der-Zollamt-Galerie-Die-Linie-als-Ausgangspunkt-29243.html

http://linientreu.romankoeller.com/

https://eleug.wordpress.com/

http://www.franz-dittrich.com/

http://www.lisamareiklein.de/

https://edwinschaefer.tumblr.com/

http://www.achimschauffele.com/

http://www.zeljkovidovic.com/

Im Edwin Schäfer Kabinett. Ferdimax, Michaela und Magnus von Hopffgarten

Frühjahrs-Opening der Frankfurter Galerien – ein Ritt auf dem Moskauer Esel durch die Fahrgasse

Am vergangenen Freitag, den 24. März war ich zur Eröffnung der Ausstellung „Sleeping in an unmade bed“ des jungen Stuttgarter Künstlers Fabian Treiber in der Galerie meines Freundes Tristan Lorenz eingeladen. Ich hatte mich schon länger darauf gefreut, Tristan endlich mal seit langem wiederzusehen und war gespannt auf die Ausstellung. In der Frankfurter Fahrgasse, die ein bisschen das Bermudadreieck der Galerien darstellt, eröffnen meist mehrere Galerien parallel muss man dazu wissen. Wir starten also bei Tristan Lorenz, der neben Salzbrezeln einen ganz grandiosen Moscow Mule am Start hatte. Eine hervorragende Strategie, denn zum einen lockert ein stark alkoholisches Gespräch die Gäste auf, zum anderen erhöht ein volles Coctailglas die Verweildauer in einer Galerie.

Fabian Treiber vor „Coctail Table“

Doch zurück zu Fabian Treiber, der für mich eine spannende Neuentdeckung darstellt. Ausgewogene Kompositionen deren Vexierspiel zwischen pastosem blurring und scharfen Kontrasten zum sich darauf einlassen einladen. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, sondern ein langsames in sie vertiefen, dass den Reiz von Treibers Malerei ausmacht. Subtil fängt Treibers Bildwelt den Betrachter ein und die auf den ersten Blick beruhigenden Gemälde fangen auf den zweiten Blick an, ihre Tiefe zu entwickeln.

Fabian Treiber, Reception, Acryl, Tusche, Kunstharzlack auf Leinwand. 140x110cm 2016

Dazu trägt neben einer sehr ausgewogenen Bildkomposition auch die Auswahl der Malmaterialien bei. Neben Acrylfarbe verwendet der Künstler auch Sprühfarbe und plastisch aufgetragene Lackkomponenten, deren ungewöhnliche Dreidimensionalität eine lang nachhaltende Faszination aufbaut.

Fabian Treiber im Gespräch vor „Peach“
Fabian Treiber, Charmer, 2016. Acryl, Tusche, Kunstharzlack auf Leinwand. 60x50cm
Fabian Treiber, Liquor, 2016. Acryl, Tusche, Kunstharzlack auf Leinwand. 140x120cm

Nebenan, in der Galerie Rothamel, zieht eine Schau des vietnamesischen Künstlers Nguyen Xuan Huy die Blicke auf sich.

Nguyen Xuan Huy, Öl auf Leinwand.

Huys hyperrealistische Malerei in Öl auf Leinwand ist scheinbar erotisch motiviert, ostentative Nacktheit und Sexualität laden zum scheuen Betrachten ein. Doch einmal in die Bildwelten eingetaucht, offenbart der Künstler manifeste Gesellschaftskritik und weist auf Makel in der Gesellschaft hin. Seine Bilder sind intelligente und sexy verpackte Mahnungen an den Verlust des Rückgrats unserer politischen Welt. Chapeau!

Es ist kein großer Umzug, den die Galerie Leuenroth, auf sich genommen hat. Unter dem Titel „Seitenwechsel“, eine Anspielung auf den Umzug auf die gegenüberliegende Straßenseite eröffnete das auf Neue Leipziger Schule spezialisierte Haus mit einer vielfältigen Ausstellung unterschiedlicher Positionen und setzt dabei klassisch auf Sekt und Weintrauben-Käse-Spießchen, um die  Besucher zu verwöhnen. Besonders hat mich hier Daniel Behrendt mit einem großformatigen Gemälde auf Leinwand fasziniert. Das Werk hat keinen Titel und könnte auch die Einfahrt zu einer Tiefgarage sein, aber die großartige Komposition von Sichtbetonflächen, Kanten und Schatten nimmt einen lange gefangen.

Daniel Behrendt, o.T. 2017, Leinwand, 120x90cm

Ebenfalls fasziniert haben mich Erich Kellers „Ränge“ ein Werk dessen Reduktion auf eine Reihe Theatersitze so kunstvoll angelegt ist, dass im Geist das ganze Theater, Kino oder Schauspielhaus mitschwingt. Auch Heinrich Mauersbergers „Haus in Verden“ gefällt mir auf Anhieb, braucht aber Luft zum Atmen um seine Wirkung zu entfalten und die drückende Enge und Kleinbürgerlichkeit, die das Bild, still getarnt als Landschaft mit Haus, einfängt sprechen zu lassen.

Heinrich Mauersberger, Haus in Verden I 2016, Öl auf Holz, 40x30cm

Ein Blick in die Galerie Maurer zu werfen lohnt schon allein wegen der interessanten Gemälde von Simone Distler. Den Bildern ist etwas ganz besonderes, schwebendes eigen. Wenn jemand die Aufgabe gestellt hätte, meditative Musik zu malen, Simone Distler hätte dies mit Bravour gemeistert. Titel wie „Schweben“, „Brachland“ oder „Nachtblau“ zahlen darauf ein.

Simone Distler, o.T. 10, 2016. Mischtechnik auf Papier, 140x100cm

Spontan musste ich an Werke Katsushika Hokusais denken, dessen kontemplative Bildsprache bei gleichzeitig durchaus bewegter Bildkomposition eine ähnliche Wirkung evoziert. Trauben, Wein und Käse wurden hier durch das Baguette ergänzt und waren durchaus gut.

Den Abschluss meiner kleinen Tour bildete für diesen Abend die Galerie von Andreas Greulich mit interessanten Arbeiten der Künstlerin Tessa Wolkersdorfer, „miracles here“.

Tessa Wolkersdorfer, homescape – front row, 2016. Tusche, Acryl auf Lwd. 50x50cm

Weißwein und Sprudelwasser trinkend, laden die Gemälde der Künstlerin auf  eine Reise in phantastische Welten ein.  Wolkersdorfer überführt Fragmente des Alltags an ungewöhnliche Orte und Settings, sie platziert beispielsweise Sitzmöbel unter pinken Wolken auf einem unwirklich wirkenden See und schafft einen Schwebezustand der trotz der gleichsam hineinmontierten Wirkung im Zusammenspiel ein schlüssiges Konzept erschließt. Hier treffe ich meinen Freund Dirk Baumanns und wir schließen mit einem weiteren Moscow Mule gemeinsam bei und mit Tristan unsere Galerietour. Dabei verabreden wir uns alle gemeinsam noch für den nächsten Abend bei Dr. Norman Hildebrandt von der HfG Offenbach zum Grillen – von dem Klassentreffen ähnlichen Abend berichte ich aber ein andermal.

Ferdimax und Dirk Baumanns

Die Ausstellungen laufen alle bis etwa 29. April 2017. Macht Euch selbst ein Bild. Ihr seid herzlich zum Meinungsaustausch eingeladen, schreibt mich gern an.

 

 

Jos Diegel – und wie alles begann

Jede große Kunstsammlung beginnt mit einem ersten Bild. Das heißt nicht, dass man die Jahre vor diesem „ersten Bild“ nackte Wände betrachtet, doch waren dies geerbte Gemälde und Blätter von den Großeltern oder Eltern. Das erste Bild für einen Sammler ist in gewisser Weise das erste selbst erworbene. Dazu gehört der aufregende Moment der ersten Verhandlung, des sich Festlegens auf ein Werk, die Unsicherheit ob man das Richtige tut und natürlich gerade bei einem jungen Sammler die finanzielle Überlegung, wie man das nun bezahlen soll.

Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muss es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

(Johann Wolfgang von Goethe: Faust: Eine Tragödie - Kapitel 6)

Am Anfang stand bei mir eindeutig die Idee. Ich wollte ein Bild kaufen – schließlich hatte ich ganz fest vor eine aufregende Kunstsammlung zu gründen. Mindestens so groß und eindrucksvoll, wie die meines Freundes Peter (der nebenbei bereits damals eine beeindruckende Sammlung Neuer Wilder besaß, darunter zentrale Werke von A.R. Penck, Karl-Horst Hödicke, Markus Lüpertz, Rainer Fetting und anderen). Großes Kopfkino eines 26-jährigen Studenten.

Ich hörte mich ein wenig um und meine Freundin Constanze wies mich auf eine Ausstellung im EVO Turm in Offenbach hin. Die Bilder dort haben mich sehr begeistert und im September 2007 beginne ich Kontakt zu Jos Diegel, dem Künstler dieser Einzelausstellung aufzunehmen und bereits am 30. Oktober 2007 schickt mir Jos schon die Rechnung über das Bild „Zwei Jungs vor dem Werk“.

Jos Diegel Malerei
Zwei Jungs vor dem Werk
Jos Diegel, 2006
Acryl und Lack auf Leinwand
60x50cm

Eine nicht genauer definierte Ateliersituation mit zwei Figuren vor angedeuteten Leinwänden. Der Boden ist rosa-grundig, die Wand in verlebtem weiß angelegt. Die Situation ist flüchtig, aber kraftvoll – viele Details gibt es zu entdecken, der Interpretationsspielraum ist enorm. Der scheinbar coole Typ in der rechten Bildhälfte, der lässig mit Zigarette und freiem Oberkörper das Bild dominiert blickt sehr dezidiert in Richtung des anderen Bildes. Man kann hier überspielte Konkurrenz aber auch den Wunsch nach Bestätigung hineinlegen. Vielleicht auch eine übereilte Herablassung, man wird nicht dahinterkommen. Die Blickachsen aber erzählen eine diffuse Geschichte. Auch stellt sich die Frage warum die zweite Figur nur grob angelegt ist und fast unfertig erscheint und warum zwischen den beiden Protagonisten ein Riss durch die Leinwand klafft.

Das Bild ist für mich ein ganz besonderes und vielleicht liegt es an diesem „ersten Mal“, dass ich mich bis heute dem Menschen hinter NaturalbornJos freundschaftlich verbunden fühle. Trotz seiner revolutionesquen Fassade ist Jos einfach ein feiner Kerl und ein verbindlicher und ausgeglichener Mensch.

Eine schöne konzeptuelle Arbeit möchte ich gern noch erwähnen:

Beatless
BEAT?LESS!
Jos Diegel, 2004
Song 14.045 – 14.048
Beatlesssingleprolog
Acyl auf CD – Rohling

„BEAT?LESS! ist die Band die keine Musik macht. Daher ist auf dieser CD keine Musik enthalten“

BEAT?LESS! Die Idee eine Band ohne Instrumente und Musiker zu gründen, CDs herzustellen und Merchandising-Artikel wie T-Shirts zu produzieren, ist mehr als nur ein ungewöhnlicher Ansatz. Jos Diegel nimmt hier zum einen die Musikindustrie aufs Korn, die einen Star bereits fix und fertig ausgestattet hat, noch bevor sie ihn mittels oft inhaltsloser Popsongs dazu gemacht hat. Er spielt hier aber parallel unterschwellig auch auf die Minimal Music an, die sich in den 1960er Jahren in den USA entwickelt hat und führt diese ganz charmant ad absurdum.

BEAT?LESS!
Jos Diegel, 2004
Merchanise T-Shirt
Handbedruckt

Der Link www.beatlesssound.de/ und die Kontaktadresse communication@beatlesssound.de sind bis heute aktiv.

Jos van Vugt Diegel, wurde 1982 in den Niederlanden geboren. Er studierte an der HfG Offenbach u.a. Malerei bei Prof. Adam Jankowski und Film bei Rotraut Pape. Seine Werke wurden in Frankfurt, Berlin, aber auch New York, Zürich oder San Francisco ausgestellt und Diegel hat einen exzellenten Ruf als Kameramann und Regisseur, er ist auf zahlreichen Filmfestivals vertreten.

http://www.josdiegel.de/

http://www.artvonfrei.gallery/jos-diegel/

http://faustkultur.de/1788-0-Gespraech-mit-Jos-Diegel.html#.WNUt4zs1_RY

https://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/archiv/a-e/endstation-sehnsucht/jos-diegel/

https://www.op-online.de/offenbach/interview-filmmacher-hfma-jos-diegel-1601119.html

 

Jos Diegel, 2004
BEAT?LESS!
Song 14.045 (1/4)
Jos Diegel, 2004
BEAT?LESS!
Song 14.046 (2/4)
Jos Diegel, 2004
BEAT?LESS!
Song 14.047 (3/4)
Jos Diegel, 2004
BEAT?LESS!
Song 14.048 (4/4)

 

Mathias Weis – Ernte: Vernissage bei Thomas Hühsam

Samstag Abend ist, neben eigentlich allen anderen Abenden auch, der perfekte Zeitpunkt für Kunst. Darum besuche ich auch gespannt die Vernissage der Ausstellung „Ernte – Malerei 2002 – 2017“ des Malers Mathias Weis in der Galerie Thomas Hühsam in Offenbach. Thomas stellt seit Jahren interessante Positionen aus und ich schätze den intelligenten Kunstwelt-Querulanten sehr. Den Maler Mathias Weis hingegen kenne ich noch nicht und begegne seinen Bildern heute zum ersten Mal.

Mathias Weis – Ganz normale Tage 2010 – Öl auf Leinwand / Pappe – 30x40cm

Der erste Eindruck von Weis Malerei ist das Licht und die Farbwelt. Die Bilder sind gleichsam eine Antithese zur grellen Gegenwartskunst und vermitteln in Ihren pastosen warmen Farbgebungen den Eindruck von Zeitlosigkeit – von altbekanntem, von etwas mit Wurzeln. Erst dann trifft einen das Motiv. Eines, das eigentlich gar keins ist. Nämlich scheinbar zufällige Blicke in Räume, auf Raumdetails und Ausschnitte. Unmittelbar fällt mir bei der Serie „Ganz normale Tage“ der Maler Vilhelm Hammershøi ein. Als hätte jemand ein Hammershøisches Interieur einfach über mehrere Generationen weiterbewohnt. Dabei ist Weis‘ Strich keineswegs altmodisch. Kräftige Pinselführung und ein konsequenter Strich zeichnen die Bilder aus. Mit viel Ironie decouvriert der Künstler so manche Spießer-Idylle. In seinem Zyklus „Traumhäuser“ beispielsweise, offentbart die serielle Abfolge von seelenlosen und unindividuellen Immobilien die Trostlosigkeit dieses Retortenglücks und lässt es wie eine Seifenblase zerplatzen. Die Traumhäuser sind ein krasser Gegenentwurf zu den Interieurs in „Ganz normale Tage“. Diese Bilder nämlich sprechen von der Vielschichtigkeit des Lebens. Sie deuten narrativ die vielen Situationen des Alltags an, der hier Tag für Tag, Jahrzehnt für Jahrzehnt dazu beigetragen hat, aus einer Neubauwohnung einen Ort zu machen, den das Leben geformt hat. Das mag eine Türklinke aus Messing sein, die duch fortwährende Benutzung Ihren sanften Schimmer erhalten hat, oder das warme Schimmern in der Sonne von gealtertem Parkettboden, auf dem ein Putzeimer aus Kunststoff verhindert, dass wir hier in Rosamunde Pilcher Idylle verfallen und zeigt, dass hier gelebt wird.

Mathias Weis – Ganz normale Tage – Galerie Thomas Hühsam Offenbach / Öl auf Leinwand 79x95cm

Einen Satz möchte ich noch zu den Zwielicht – Gemälden verlieren. Bettgeschichten, die fast von innen heraus leuchten, deren noch warme Matratze dazu einlädt, wieder zurück ins Bett zu kriechen, sich ein wenig herumzulümmeln und die kurze sorgenfreie Zeit vor dem Einschlafen zu genießen.

Mathias Weis – Zwielicht – Öl auf Leinwand / 2009
Galerie Thomas Hühsam / Offenbach am Main

Chapeau, Mathias Weis!

Übrigens habe ich gestern Abend auch das große Vergnügen gehabt, endlich einen Künstler kennenzulernen, den ich seit wirklich sehr langer Zeit bewundere: Christof Kohlhöfer. Der zweifache Dokumenta Teilnehmer und Beuys Schüler ist kein Unbekannter. Ob im MoMa, der Tate, dem Museum Ludwig in Köln und zahlreichen anderen: Kohlhöfer ist in den Ausstellungen dieser Welt zu Hause. Der Mensch Christof Kohlhöfer dazu ist quasi wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen seines Gesamtwerks. Als nonchalant und dennoch schillernd lässt sich der in die Jahre gekommene Künstler vielleicht ganz zutreffend beschreiben. Er gehört zu denen, die alles gelebt und alles miterlebt haben, zu denen, die in London, New York und Berlin oder L.A. noch einen Koffer stehen haben. Er ist ein Mensch, dessen Geschichten einen fesseln und man bedauert, das man nicht dabei war, als es in London und New York noch nicht so hochglanz – sauber war wie heute, als es Transenbars gab, in denen Zwerge auf Tabletts Budweiser servierten und noch Orangenhaine den Melrose Strip säumten. Als die Gegensätze zwischen Arm und Reich, zwischen Unter- und Oberschicht in den Metropolen noch stärker aufeinanderprallten, es Menschen gab, die im schmuddeligen Soft-Porno-Kino ihr Zuhause hatten und er mit Sigmar Polke und Joseph Beuys über die Welt philosophierte.

Galerie Thomas Hühsam
Christof Kohlhöfer – AILEEN’S LEGS · 2006 · Spraypaint auf Leinwand · 130 x 175 cm

Ein Samstag Abend, ein perfekter Zeitpunkt für Kunst und für das Leben. Und eine Fingerzeig, dass das Leben immer dort stattfindet, wo man es zulässt – wo man sich mit offenen Augen und Ohren dem Strudel der Erlebnisse ausliefert.

 

Galerie Thomas Hühsam

http://www.huehsam.de/index.php/de/

 

Wiedersehen mit einem alten Freund: Xue Liu – „Blau ist kein Freischwimmer“

Es ist im Frühjahr 2008, als ich auf dem jährlichen Städelrundgang zum ersten Mal Bilder des Malers Xue Liu sehe. Begeistert schreibe ich, mir damals also die E-Mail Adresse auf und kontaktiere den Maler mit der Bitte um ein Kennenlernen. Xue studierte damals parallel Malerei in der Klasse von Christa Näher und Bühnenbild bei Rosalie an der HfG Offenbach.

Xue Liu – Klasse Rosalie

Wir verabreden uns also und ich bin ganz angetan von dem damals noch ziemlich schüchternen kleinen Chinesen, dem ich diese Kraft irgendwie nicht zugetraut hätte.  Was machen also ein junger Künstler in der Ausbildung und ein arroganter Kunsthistoriker mit Sammlerallüre [ich]? Sie verhandeln und machen einen Deal. Aus einer größeren Serie von Bildern, die eine Frankfurter S-Bahn darstellen, kaufe ich meinen ersten Xue Liu, weitere Bilder folgen in den nächsten Jahren.

Hauptwache 2008
Xue Liu – S-Bahn mit Schaffner

Wir verlieren uns dabei nie richtig aus den Augen und ich besuche immer wieder seine Ausstellungen, wo mir einige, wie zum Beispiel die Plattform Sarai oder auch die Gruppenausstellung „Schlittschuhlaufen auf dem Canale Grande“ in Groß Karben, einer etwas bizarren Ausstellung auf dem Familiensitz der hessischen Adelsfamilie von Leonhardi noch als wäre es gestern gewesen präsent sind. Vielleicht auch, weil sich zwei Menschen damals sehr für Xue engagiert hatten die für mich untrennbar mit seinem Laufen lernen in Deutschland verbunden sind:  Dr. Felicia Herrschaft und Karin Hagemeister.

Xue Liu – Mischtechnik auf Hartfaserplatte

Letzte Woche, also fast 10 Jahre später, sehe ich durch Zufall auf Facebook eine Einladung zur Ausstellung „Blau ist kein Freischwimmer“  von Xue Liu bei Leander Rubrecht in Wiesbaden (23. Febr. – 23. April 2017). Da ich Xue schon lange nicht gesehen habe, fahre ich natürlich hin und besuche die Vernissage, was sich definitiv gelohnt hat. Xue ist seiner Handschrift treu geblieben und hat sich konsequent weiterentwickelt und mittlerweile einen Lehrauftrag an der Kunstakademie in Sichuan, China.

Xue Liu – sollten Sie kennenlernen!

ZUM KÜNSTLER

XUE LIU ist geboren 1981 in Chong Qing, China
2000-2004 Malerei an der Sichuan Kunstakademie in China
2006-2011 Bühnen- und Kostümbild bei Prof. Rosalie an der HfG Offenbach am Main
2007-2010 Freie Malerei an der Hochschule für bildende Künste, Städelschule in Frankfurt am Main mit Abschluss als Meisterschüler von Christa Näher.
seit 2014 Dozent an der Sichuan Kunstakademie in China
www.rubrecht-contemporary.com

www.kaiser-cream.com