Jos Diegel – und wie alles begann

Jede große Kunstsammlung beginnt mit einem ersten Bild. Das heißt nicht, dass man die Jahre vor diesem „ersten Bild“ nackte Wände betrachtet, doch waren dies geerbte Gemälde und Blätter von den Großeltern oder Eltern. Das erste Bild für einen Sammler ist in gewisser Weise das erste selbst erworbene. Dazu gehört der aufregende Moment der ersten Verhandlung, des sich Festlegens auf ein Werk, die Unsicherheit ob man das Richtige tut und natürlich gerade bei einem jungen Sammler die finanzielle Überlegung, wie man das nun bezahlen soll.

Geschrieben steht: »Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muss es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,
Dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!

(Johann Wolfgang von Goethe: Faust: Eine Tragödie - Kapitel 6)

Am Anfang stand bei mir eindeutig die Idee. Ich wollte ein Bild kaufen – schließlich hatte ich ganz fest vor eine aufregende Kunstsammlung zu gründen. Mindestens so groß und eindrucksvoll, wie die meines Freundes Peter (der nebenbei bereits damals eine beeindruckende Sammlung Neuer Wilder besaß, darunter zentrale Werke von A.R. Penck, Karl-Horst Hödicke, Markus Lüpertz, Rainer Fetting und anderen). Großes Kopfkino eines 26-jährigen Studenten.

Ich hörte mich ein wenig um und meine Freundin Constanze wies mich auf eine Ausstellung im EVO Turm in Offenbach hin. Die Bilder dort haben mich sehr begeistert und im September 2007 beginne ich Kontakt zu Jos Diegel, dem Künstler dieser Einzelausstellung aufzunehmen und bereits am 30. Oktober 2007 schickt mir Jos schon die Rechnung über das Bild „Zwei Jungs vor dem Werk“.

Jos Diegel Malerei
Zwei Jungs vor dem Werk
Jos Diegel, 2006
Acryl und Lack auf Leinwand
60x50cm

Eine nicht genauer definierte Ateliersituation mit zwei Figuren vor angedeuteten Leinwänden. Der Boden ist rosa-grundig, die Wand in verlebtem weiß angelegt. Die Situation ist flüchtig, aber kraftvoll – viele Details gibt es zu entdecken, der Interpretationsspielraum ist enorm. Der scheinbar coole Typ in der rechten Bildhälfte, der lässig mit Zigarette und freiem Oberkörper das Bild dominiert blickt sehr dezidiert in Richtung des anderen Bildes. Man kann hier überspielte Konkurrenz aber auch den Wunsch nach Bestätigung hineinlegen. Vielleicht auch eine übereilte Herablassung, man wird nicht dahinterkommen. Die Blickachsen aber erzählen eine diffuse Geschichte. Auch stellt sich die Frage warum die zweite Figur nur grob angelegt ist und fast unfertig erscheint und warum zwischen den beiden Protagonisten ein Riss durch die Leinwand klafft.

Das Bild ist für mich ein ganz besonderes und vielleicht liegt es an diesem „ersten Mal“, dass ich mich bis heute dem Menschen hinter NaturalbornJos freundschaftlich verbunden fühle. Trotz seiner revolutionesquen Fassade ist Jos einfach ein feiner Kerl und ein verbindlicher und ausgeglichener Mensch.

Eine schöne konzeptuelle Arbeit möchte ich gern noch erwähnen:

Beatless
BEAT?LESS!
Jos Diegel, 2004
Song 14.045 – 14.048
Beatlesssingleprolog
Acyl auf CD – Rohling

„BEAT?LESS! ist die Band die keine Musik macht. Daher ist auf dieser CD keine Musik enthalten“

BEAT?LESS! Die Idee eine Band ohne Instrumente und Musiker zu gründen, CDs herzustellen und Merchandising-Artikel wie T-Shirts zu produzieren, ist mehr als nur ein ungewöhnlicher Ansatz. Jos Diegel nimmt hier zum einen die Musikindustrie aufs Korn, die einen Star bereits fix und fertig ausgestattet hat, noch bevor sie ihn mittels oft inhaltsloser Popsongs dazu gemacht hat. Er spielt hier aber parallel unterschwellig auch auf die Minimal Music an, die sich in den 1960er Jahren in den USA entwickelt hat und führt diese ganz charmant ad absurdum.

BEAT?LESS!
Jos Diegel, 2004
Merchanise T-Shirt
Handbedruckt

Der Link www.beatlesssound.de/ und die Kontaktadresse communication@beatlesssound.de sind bis heute aktiv.

Jos van Vugt Diegel, wurde 1982 in den Niederlanden geboren. Er studierte an der HfG Offenbach u.a. Malerei bei Prof. Adam Jankowski und Film bei Rotraut Pape. Seine Werke wurden in Frankfurt, Berlin, aber auch New York, Zürich oder San Francisco ausgestellt und Diegel hat einen exzellenten Ruf als Kameramann und Regisseur, er ist auf zahlreichen Filmfestivals vertreten.

http://www.josdiegel.de/

http://www.artvonfrei.gallery/jos-diegel/

http://faustkultur.de/1788-0-Gespraech-mit-Jos-Diegel.html#.WNUt4zs1_RY

https://www.schauspielfrankfurt.de/spielplan/archiv/a-e/endstation-sehnsucht/jos-diegel/

https://www.op-online.de/offenbach/interview-filmmacher-hfma-jos-diegel-1601119.html

 

Jos Diegel, 2004
BEAT?LESS!
Song 14.045 (1/4)
Jos Diegel, 2004
BEAT?LESS!
Song 14.046 (2/4)
Jos Diegel, 2004
BEAT?LESS!
Song 14.047 (3/4)
Jos Diegel, 2004
BEAT?LESS!
Song 14.048 (4/4)

 

Autor: Ferdimax

Studium Klavier an Dr. Hochs Konservatorium, Frankfurt am Main Studium der Rechtswissenschaften, Kulturanthropologie / europäische Ethnologie und Kunstgeschichte an der Goethe Universität Frankfurt. Leiter Unternehmenskommunikation eines Industrieunternehmens

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