Frühjahrs-Opening der Frankfurter Galerien – ein Ritt auf dem Moskauer Esel durch die Fahrgasse

Am vergangenen Freitag, den 24. März war ich zur Eröffnung der Ausstellung „Sleeping in an unmade bed“ des jungen Stuttgarter Künstlers Fabian Treiber in der Galerie meines Freundes Tristan Lorenz eingeladen. Ich hatte mich schon länger darauf gefreut, Tristan endlich mal seit langem wiederzusehen und war gespannt auf die Ausstellung. In der Frankfurter Fahrgasse, die ein bisschen das Bermudadreieck der Galerien darstellt, eröffnen meist mehrere Galerien parallel muss man dazu wissen. Wir starten also bei Tristan Lorenz, der neben Salzbrezeln einen ganz grandiosen Moscow Mule am Start hatte. Eine hervorragende Strategie, denn zum einen lockert ein stark alkoholisches Gespräch die Gäste auf, zum anderen erhöht ein volles Coctailglas die Verweildauer in einer Galerie.

Fabian Treiber vor „Coctail Table“

Doch zurück zu Fabian Treiber, der für mich eine spannende Neuentdeckung darstellt. Ausgewogene Kompositionen deren Vexierspiel zwischen pastosem blurring und scharfen Kontrasten zum sich darauf einlassen einladen. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, sondern ein langsames in sie vertiefen, dass den Reiz von Treibers Malerei ausmacht. Subtil fängt Treibers Bildwelt den Betrachter ein und die auf den ersten Blick beruhigenden Gemälde fangen auf den zweiten Blick an, ihre Tiefe zu entwickeln.

Fabian Treiber, Reception, Acryl, Tusche, Kunstharzlack auf Leinwand. 140x110cm 2016

Dazu trägt neben einer sehr ausgewogenen Bildkomposition auch die Auswahl der Malmaterialien bei. Neben Acrylfarbe verwendet der Künstler auch Sprühfarbe und plastisch aufgetragene Lackkomponenten, deren ungewöhnliche Dreidimensionalität eine lang nachhaltende Faszination aufbaut.

Fabian Treiber im Gespräch vor „Peach“
Fabian Treiber, Charmer, 2016. Acryl, Tusche, Kunstharzlack auf Leinwand. 60x50cm
Fabian Treiber, Liquor, 2016. Acryl, Tusche, Kunstharzlack auf Leinwand. 140x120cm

Nebenan, in der Galerie Rothamel, zieht eine Schau des vietnamesischen Künstlers Nguyen Xuan Huy die Blicke auf sich.

Nguyen Xuan Huy, Öl auf Leinwand.

Huys hyperrealistische Malerei in Öl auf Leinwand ist scheinbar erotisch motiviert, ostentative Nacktheit und Sexualität laden zum scheuen Betrachten ein. Doch einmal in die Bildwelten eingetaucht, offenbart der Künstler manifeste Gesellschaftskritik und weist auf Makel in der Gesellschaft hin. Seine Bilder sind intelligente und sexy verpackte Mahnungen an den Verlust des Rückgrats unserer politischen Welt. Chapeau!

Es ist kein großer Umzug, den die Galerie Leuenroth, auf sich genommen hat. Unter dem Titel „Seitenwechsel“, eine Anspielung auf den Umzug auf die gegenüberliegende Straßenseite eröffnete das auf Neue Leipziger Schule spezialisierte Haus mit einer vielfältigen Ausstellung unterschiedlicher Positionen und setzt dabei klassisch auf Sekt und Weintrauben-Käse-Spießchen, um die  Besucher zu verwöhnen. Besonders hat mich hier Daniel Behrendt mit einem großformatigen Gemälde auf Leinwand fasziniert. Das Werk hat keinen Titel und könnte auch die Einfahrt zu einer Tiefgarage sein, aber die großartige Komposition von Sichtbetonflächen, Kanten und Schatten nimmt einen lange gefangen.

Daniel Behrendt, o.T. 2017, Leinwand, 120x90cm

Ebenfalls fasziniert haben mich Erich Kellers „Ränge“ ein Werk dessen Reduktion auf eine Reihe Theatersitze so kunstvoll angelegt ist, dass im Geist das ganze Theater, Kino oder Schauspielhaus mitschwingt. Auch Heinrich Mauersbergers „Haus in Verden“ gefällt mir auf Anhieb, braucht aber Luft zum Atmen um seine Wirkung zu entfalten und die drückende Enge und Kleinbürgerlichkeit, die das Bild, still getarnt als Landschaft mit Haus, einfängt sprechen zu lassen.

Heinrich Mauersberger, Haus in Verden I 2016, Öl auf Holz, 40x30cm

Ein Blick in die Galerie Maurer zu werfen lohnt schon allein wegen der interessanten Gemälde von Simone Distler. Den Bildern ist etwas ganz besonderes, schwebendes eigen. Wenn jemand die Aufgabe gestellt hätte, meditative Musik zu malen, Simone Distler hätte dies mit Bravour gemeistert. Titel wie „Schweben“, „Brachland“ oder „Nachtblau“ zahlen darauf ein.

Simone Distler, o.T. 10, 2016. Mischtechnik auf Papier, 140x100cm

Spontan musste ich an Werke Katsushika Hokusais denken, dessen kontemplative Bildsprache bei gleichzeitig durchaus bewegter Bildkomposition eine ähnliche Wirkung evoziert. Trauben, Wein und Käse wurden hier durch das Baguette ergänzt und waren durchaus gut.

Den Abschluss meiner kleinen Tour bildete für diesen Abend die Galerie von Andreas Greulich mit interessanten Arbeiten der Künstlerin Tessa Wolkersdorfer, „miracles here“.

Tessa Wolkersdorfer, homescape – front row, 2016. Tusche, Acryl auf Lwd. 50x50cm

Weißwein und Sprudelwasser trinkend, laden die Gemälde der Künstlerin auf  eine Reise in phantastische Welten ein.  Wolkersdorfer überführt Fragmente des Alltags an ungewöhnliche Orte und Settings, sie platziert beispielsweise Sitzmöbel unter pinken Wolken auf einem unwirklich wirkenden See und schafft einen Schwebezustand der trotz der gleichsam hineinmontierten Wirkung im Zusammenspiel ein schlüssiges Konzept erschließt. Hier treffe ich meinen Freund Dirk Baumanns und wir schließen mit einem weiteren Moscow Mule gemeinsam bei und mit Tristan unsere Galerietour. Dabei verabreden wir uns alle gemeinsam noch für den nächsten Abend bei Dr. Norman Hildebrandt von der HfG Offenbach zum Grillen – von dem Klassentreffen ähnlichen Abend berichte ich aber ein andermal.

Ferdimax und Dirk Baumanns

Die Ausstellungen laufen alle bis etwa 29. April 2017. Macht Euch selbst ein Bild. Ihr seid herzlich zum Meinungsaustausch eingeladen, schreibt mich gern an.

 

 

Autor: Ferdimax

Studium Klavier an Dr. Hochs Konservatorium, Frankfurt am Main Studium der Rechtswissenschaften, Kulturanthropologie / europäische Ethnologie und Kunstgeschichte an der Goethe Universität Frankfurt. Leiter Unternehmenskommunikation eines Industrieunternehmens

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