Am Anfang war der Strich – linientreu in Offenbach

Wie Ihr mitbekommen habt, bin ich ja noch kein so richtig erfahrener Blogger – und so werkele ich seit zwei Wochen an einem Text rum, bei dem sich viele Fragen für mich auftun. Denn, für wen schreibe ich und, was ist meine Intention? Ich bin ja kein Veranstaltungsticker – zumal die Ausstellung „Linientreu“ bereits vorbei ist. Daher ist es auch sinnlos, einen Bericht zu formulieren, der andere animieren soll, diese oder jene Ausstellung zu besichtigen. Viel mehr möchte ich – dass steht  fest – von Dingen erzählen, die mich begeistert oder bewegt haben.

Die, wie bereits erwähnt schon abgebaute Ausstellung „Linientreu“ hat mich aus zwei Gründen sehr bewegt. Zum einen künstlerisch, denn die Schau hat einen sehr vielseitigen und spannenden Umgang mit Zeichnung und Grafik ausgebreitet. An diesem Genre fehlen für so manchen Kunstfreund die Farbe, Bildtiefe und Opulenz. Für viele aber ist die Zeichnung die Urform der Malerei. Direkt auf den Malgrund gebracht, ist die Zeichnung der erste Schritt, ein Kunstwerk, das zunächst nur aus einer Idee besteht, real zu manifestieren.

In der Offenbacher Zollamt Galerie stellten bei der Eröffnung am 30. März 2017  elf Künstler, die das Studium der Gestaltung an der HfG Offenbach verbindet, Ihre Perspektiven vor.

Franz Dittrich, Eugen El, Bea Emsbach, Patrick Haller, Norman Hildebrandt, Miriam Hilker, Lisa Marei Klein, Roman Köller, Edwin Schäfer, Achim Schauffele und Zeljko Vidovic haben mit Ihren Arbeiten für eine sehr inspirierende Dissonanz hinsichtlich Ihrer Werke gesorgt.

Ein bisschen hatte die Ausstellung etwas von einem Klassentreffen. Es ist immer wieder wunderbar, all die vertrauten Gesichter wieder zu treffen, gemeinsam zu lachen und Geschichten zu erzählen.

06.07.2008 – HfG Offenbach: Ferdimax, Norman Hildebrandt, Daniel Wind, Lisa Marei Klein
http://www.nadine-roether.com/
Nadine Röther: Burnin´ down the Has´, 2007.
Verbrennung von Portalhase am 06.02.2007

Da sind unter den Gästen Menschen wie die großartige Nadine Röther, die ich noch aus ihrer Sturm und Drang Zeit kenne, als sie, die große Rebellin, einst einen spektakulären Hasen aus Dachlatten mit großem Aufschlag vor Publikum in Brand steckte.

Eugen El mit Ilja Granatstein

Aber da ist auch auf der Seite der ausstellenden Künstler der stille und dabei so tiefgängig in sich hineinlächelnde Eugen El, dessen Werk man nie ganz verstehen wird, aber dessen Konsequenz herausragend ist. Wer sonst malt ausschließlich den immer gleichen Kopf eines jungen Mannes im Dreiviertelprofil, dessen Lebendigkeit und Vielseitigkeit erst in der Betrachtung der Werkreihe entsteht.

Faszinierend ist die Spannung zwischen Person und Werk von Zeljko Vidovic. Zeljko wirkt auf den ersten Blick wie ein Bürohengst vom Finanzamt und wenn man dann seine provokanten, teils verstörenden Werke sieht, Werke in denen sich Kinderköpfe zu einem gespenstigen Berg feist grinsender Schädel auftürmen, in denen es um das Ausscheiden oder einführen von Exkrementen in Körperöffnungen geht und die ein wenig den Anschein eines perfiden Horrorkabinetts machen, dann begreift man, dass nichts so ist, wie es scheint und der eigene Blick nicht in den Menschen hineinschaut.

Zeljko Vidovic
http://www.zeljkovidovic.com/
Zeljko Vidovic,
http://www.zeljkovidovic.com/

Patrick Haller, den ich bislang nie so richtig verfolgt hatte, überzeugte durch den totalen Erguss der Linie – drei hochnarrative Arbeiten aus Linien, die eine Bildwelt von überwältigender Kraft und Mehrdimensionalität erschaffen. Ein wenig märchenhaft stürmen die Protagonisten, Mischwesen aus Mensch, Insekt und Tier, über die Bildfläche und verflechten sich durch die Linienführung immer weiter zu einem schlüssigen Ganzen. Patrick Hallers Arbeiten sind ganz großes Kino.

Patrick Haller im Interview
Patrick Haller

Bei aller Unterschiedlichkeit gibt es aber eine große Klammer in dieser Ausstellung. Diesen Verdienst möchte ich der Hängung und Auswahl meines Freundes Dr. Norman Hildebrandt zuschreiben, der diese Ausstellung organisiert hat.

Norman Hildebrandt
Dr. Norman Hildebrandt

Norman ist ein besonderer Mensch und ein guter Freund ohne den ich nie den Kontakt zur Hochschule für Gestaltung, HfG Offenbach, so intensiv hätte herstellen können. Er war es, der mich immer wieder eingeladen hat dabei zu sein, mitzuwirken und mit zu feiern als wir alle noch Anfang zwanzig waren und die Welt irgendwie ein Stück weit sorgenfrei war. Norman hat uns allen gezeigt, wie wichtig es ist, sich diese Jugendlichkeit zu bewahren, dem Erwachsenwerden nicht überall die Straße zu ebnen, sondern die Fenster der Meinungsfreiheit aufzusperren um Konventionen durch eben dieses Fenster zu betrachten, aber Ihnen nicht unbedingten Gehorsam zu leisten.

Vielleicht ist das auch der Aufruf dieser Ausstellung und ihr wichtiges Fazit: Bleibt unbeugsam, bleibt wach, kreativ, vielschichtig und hegt das Kind in Euch. Nur mit dem forschen und wachen Blick eines jungen Menschen gelingt es in die Seele zu schauen und Verborgenes zu entdecken.

Bea Emsbach
Roman Köller
http://romankoeller.com/
Achim Schauffele
http://www.achimschauffele.com/
Edwin Schäfer:
https://edwinschaefer.tumblr.com/

 

http://www.hfg-offenbach.de/de/pages/zollamt-galerie#ueber

http://www.hfg-offenbach.de/de/calendar/new-calendar-item-674#veranstaltung

https://www.op-online.de/offenbach/zollamt-galerie-offenbach-zeigen-junge-kuenstler-ihre-arbeiten-8058094.html

https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/linientreu-in-der-Zollamt-Galerie-Die-Linie-als-Ausgangspunkt-29243.html

http://linientreu.romankoeller.com/

https://eleug.wordpress.com/

http://www.franz-dittrich.com/

http://www.lisamareiklein.de/

https://edwinschaefer.tumblr.com/

http://www.achimschauffele.com/

http://www.zeljkovidovic.com/

Im Edwin Schäfer Kabinett. Ferdimax, Michaela und Magnus von Hopffgarten

Autor: Ferdimax

Studium Klavier an Dr. Hochs Konservatorium, Frankfurt am Main Studium der Rechtswissenschaften, Kulturanthropologie / europäische Ethnologie und Kunstgeschichte an der Goethe Universität Frankfurt. Leiter Unternehmenskommunikation eines Industrieunternehmens

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